Crippled Black Phoenix - Sceaduhelm
Band: Crippled Black Phoenix (UK)
Genre: Progressive Post Rock
Label:
Season Of Mist
Album Titel: Sceaduhelm
Spielzeit: 66:20
VÖ:
17.04.2026
Mit "Sceaduhelm" veröffentlichen Crippled Black Phoenix ihr bereits zwölftes Studioalbum. Die Band einem bestimmten Genre zuzuordnen, ist sehr
schwer, verarbeitet sie doch Elemente aus den verschiedensten Richtungen in ihren Songs. Auch das neue Album macht da keine Ausnahme. Man bekommt
hier in fast jedem Song das Gefühl, die Band ist in einem anderen Genre unterwegs. In über einer Stunde werden uns 12 Stücke geboten, welche
progressive, rockige und postrockige, aber auch metallische Elemente in sich tragen, genauso wie Darkwave-artige Züge oder auch fast schon poppige
Melodien. Das Thema der Platte reflektiert dabei den Zustand der Erschöpfung, des Gedächtnisses und die Last des Überlebens.
Das Album startet mit "One Man Wall Of Death", welches gespickt ist mit Sprachsamples. Hier wird eine Atmosphäre erzeugt, die mich direkt an
einen Film wie "Johnny zieht in den Krieg" erinnert. Durch das Schlagzeug wird im weiteren Verlauf extreme Spannung aufgebaut, bevor das Stück
mit verzerrten Gitarren und pumpendem Bass aus sich herausbricht. Am Ende dieses Ausbruchs geht es dann wieder zurück in diesen "Movie-Touch",
um dann direkt in das bereits als Single ausgekoppelte "Ravenettes" überzugehen. Hier bekommen wir dann das erste Mal die melodische Seite zu Ohren.
Die rockigen Gitarren, die Keyboard-Melodie und die weiblichen Vocals machen das Stück sehr eingängig und nehmen den geneigten Hörer direkt mit.
Ähnlich geht es auch im nächsten Stück "Things Start Falling Apart" zu, nur mit männlichen Vocals und etwas mehr Atmosphäre. Auch hier ist die
Melodie ein tragendes Element, welches eine melancholische Stimmung erzeugt, die durch die Vocals noch verstärkt wird.
Das nächste Stück "No Epitaph / The Precipice" kann man als Ballade bezeichnen. Es besticht zu Beginn mit Akustikgitarre und dunklem Gesang,
und dieses Sonore in der Stimme trägt das Stück regelrecht durch den Raum. Hier setzen in der zweiten Hälfte die Gitarren noch Extra-Akzente.
Das Wechselspiel zwischen den sanften und druckvollen Parts, welche dann mit elektrischen Gitarren, Schlagzeug und Bass die Dunkelheit noch mehr
betonen, gibt dem Song eine melancholische Atmosphäre. Mit dem harten, metallischen Part zum Ende hin, sorgt man dann noch für einen Aha-Effekt.
Zwischendrin gibt es dann ein Stück wie "The Void", welches sich hauptsächlich aus Sprachsamples und elektronischen Klängen von Keyboard und
Hammondorgel zusammensetzt, eine spacige Atmosphäre erzeugt und wieder an Filmmusik erinnert. Auch die Ballade "Under The Eye", zum Ende der
Platte hin, ist eine wunderschön vorgetragene Nummer, dieses Mal mit weiblichen Vocals, welche eine sanfte Atmosphäre in sich trägt und zum Ende
mit Sprachsamples von Kindern aufwartet und mit "Walgesängen?" untermalt ist.
Was die Band wunderbar hinbekommt, ist, dass sie in fast jedem Stück anders klingen und somit absolut unvorhersehbar agieren. Nicht nur, dass sie
mal wie eine rockige Version von The Cure klingen (Colder And Colder) oder in Type O Negative-Manier durch die Boxen schallen (Vampire Grave), nein,
auch im Sound sind sie variabel. Neben dem klaren, wie im erwähnten "No Epitaph / The Precipice", gibt es auch mal einen extrem verzerrten, rauen
Stoner-Sound, wie in "Dropout", welcher schon fast elektronische Züge trägt.
Gerade weil die Musik von Crippled Black Phoenix Elemente aus den verschiedensten Richtungen verarbeitet, sollte man sich Zeit nehmen, das Album zu
erkunden. Gerade Leute, die die Band erst jetzt kennenlernen, werden hier wahrscheinlich nicht beim ersten Hören abgeholt. Aber wer sich auf das
Album einlässt, wird mit jedem Durchlauf mehr Details entdecken und seine Freude an den genialen Arrangements haben.
Fazit:
Crippled Black Phoenix erfinden sich auch auf Album Nummer 12 fast neu und servieren uns ein absolut vielschichtiges Album.
Hier werden Postrock, Progressivität, poplastige Melodien, sphärische Klänge und Samples in einer Art und Weise miteinander verarbeitet, wie
es in dieser eindringlichen, emotionalen Form wohl nur diese Band kann. Trotz der vielen unterschiedlichen Einflüsse das Ganze dennoch in so
dunkler und melancholischer Weise darzubieten, ist schon eine Kunst. Für Puristen ist dieses Album nichts, aber wer über den Tellerrand schauen
kann und viel Abwechslung sucht, ist hier genau richtig. "Sceaduhelm" wächst mit jedem Durchlauf und belohnt denjenigen, der sich darauf einlassen
kann, mit großartiger Tonkunst.
Punkte: 9,5/10
Anspieltipp: Ravenettes, No Epitaph / The Precipice, Under The Eye
01. One Man Wall Of Death
02. Ravenettes
03. Things Start Falling Apart
04. No Epitaph / The Precipice
05. The Void
06. Hollows End
07. Dropout
08. Vampire Grave
09. Colder And Colder
10. Under The Eye
11. Tired To The Bone
12. Beautiful Destroyer
Belinda Kordic - Vocals
Helen Stanley - Vocals, Keys, Trompets
Justin Greaves - Guitars, Effects, Backing Vocals, Bass, Drums
Andy Taylor - Guitars
Joel Segerstedt - Vocals, Guitars
- Download Review in deutsch
- Bandcamp
Autor: Thomas







