Unverkalt - Héréditaire
Band: Unverkalt (GR/D)
Genre: Post Black Metal
Label: Season Of Mist
Album Titel: Héréditaire
Spielzeit: 50:09
VÖ:
27.02.2026
Die griechisch-deutsche Band Unverkalt einem speziellen Genre zuzuordnen, ist schwer. Einerseits dringen Klänge an dein Ohr, welche wir aus dem
Dark- und Gothic-Rock/Metal kennen und die auch schon mal einen depressiven Touch haben. Andererseits gibt es brachiale Black Metal Ausbrüche,
die auch immer wieder Chaos verbreiten. Dieses Gemenge aus den zarten, harten und brachialen Sounds gibt der Band einen großen Wiedererkennungswert
und macht das dritte Album "Héréditaire" zu einem sehr interessanten Werk, welches immer auch postmetallische Züge trägt. Nach mehrmaligem intensivem
Hören der Scheibe, kann ich folgende Bandaussage ziemlich gut nachvollziehen.
Zitat: "Unser Ziel war es immer, sanftere, romantischere Elemente mit extremem Chaos zu verbinden. Mit "Héréditaire" ist diese Zeit nun gekommen“, sagt
der Gitarrist und Hauptkomponist der Band, Themis Ioannou. "Dieses Album ist eine Klage über etwas, das weit älter ist als unsere Existenz. Es spricht
von dem, was durch Generationen sickert, auf der Suche nach einer Antwort auf eine allgegenwärtige Frage: Was tragen wir mit uns, das nie uns gehörte?"
Der Albumstart "Die Auslöschung" beginnt einerseits dunkel und bedrohlich, trägt aber auch eine sanfte Schönheit in sich. Die leicht raue, verzerrte
Instrumentierung und Dimitras zarte, "weinerliche" Stimme erzeugen Melancholie, bevor ein brachialer Black-Metal-Ausbruch mit schreddernden Gitarren,
Blast Beats und kehligen Vocals das Ganze aufreißt und das oben erwähnte Chaos verbreitet. Im Verlauf des Songs wechseln sich beide Stile ab und kommen
im hinteren Teil auch zweistimmig daher. Dimitras Vocals klingen dort aggressiver und erinnern an Bands aus dem Bereich des depressiven Black Metal.
Die Songs des Albums sind alle zwischen knapp 5 und etwas über 6 Minuten lang und weisen alle diesen Wechsel zwischen sanften und brachialen Parts auf,
sind dennoch nicht vorhersehbar und wissen immer eigene Akzente zu setzen. So trägt "Ænæ Lithi" orientalische Züge in sich und "A Lullaby for the Descent"
zeigt sich mit einer feinen Akustikgitarre und flirrenden Riffs. Hier einen Favoriten zu finden, ist nicht einfach. Wahrscheinlich haben 9 von 10 Hörern
einen anderen parat.
Ein Stück wie "Penumbrian Lament" kommt dann umgekehrt daher. Hier beginnt man mit brachialem Black Metal und im ruhigen Part klingt Dimitra gesanglich
fast wie Anna Varney (Sopor Aeternus). Dieses Stück ist mein heimlicher Favorit des Albums. Hier finde ich die obige Aussage von Themis am besten
umgesetzt. "I, The Deceit" klingt rau, verströmt, durch die flüsternden Vocals zu Beginn, eine gewisse Mystik und bricht dann mit brachialem Black Metal
über dich herein. Hier leiht Saki Tolis von Rotting Christ dem Song seine Vocals. Auch dieses Stück setzt das Thema der Platte musikalisch hervorragend
in Szene.
Beim ersten und ja, auch beim zweiten Durchlauf der Scheibe, hatte ich das Gefühl, dass der Gesang, respektive die Vocals, etwas zu sehr in den Hintergrund
gemischt sind. Nun, ein paar Tage und intensiveres Hören später, würde ich behaupten: besser hätte man das gar nicht machen können. Denn dadurch, dass die
Vocals nicht so im Vordergrund stehen, kann die Musik ihre Wirkung erst richtig entfalten. Zudem kommt die Produktion durch die raue Note sehr authentisch
daher.
Wer sich auf dieses Album einlässt, sollte sich Zeit nehmen, denn es ist nichts zum nebenbei hören. Hier gilt es, einzutauchen in das musikalische Universum
von Unverkalt. Wer das schafft, der wird mit großen Klanglandschaften und emotionaler Tiefe belohnt.
Fazit:
Das dritte Unverkalt Album ist nichts für Puristen. Hier gibt es Musik für Leute, die über den Tellerrand schauen und die Musik erkunden wollen.
"Héréditaire" hat große Kompositionen zu bieten, welche melancholische Schwere, sanfte "Gothic-Romantik", Trauer und aggressiven Black Metal verbindet
und mit einem postmetallischen Schleier umgibt. Dieses Album sorgt für ein intensives, abwechslungsreiches und interessantes Hörerlebnis, welches in
dieser Konstellation eine Ausnahmestellung im Genre einnimmt.
Punkte: 9/10
Anspieltipp: alles
01. Die Auslöschung
02. Oath Ov Prometheus
03. Ænæ Lithi
04. A Lullaby For The Descent
05. Penumbrian Lament
06. Introjects
07. I, The Deceit
08. Death Is Forever
09. Maladie De L'esprit
Dimitra Kalavrezou - Vocals
Eli Mavrychev - Guitars, Vocals
Themis Ioannou - Guitars, Keys
Yoshi Hoya - Bass
Christian Eggers - Drums
Guest Musician:
Sakis Tolis (Rotting Christ) - Vocals on I, The Deceit
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Autor: Thomas







