Ellende - Zerfall
Band: Ellende (A)
Genre: Atmospheric Black Metal
Label:
AOP Records
Album Titel: Zerfall
Spielzeit: 58:29
VÖ:
02.01.2025
2011 eigentlich als anonymes, menschenfeindliches Projekt gegründet,
hat sich Multi-Instrumentalist L.G. mit Ellende längst in der Szene
etabliert, was nicht zuletzt an der großen Live-Präsenz liegt, und
kann mittlerweile auf 5 Alben und 3 EPs zurückblicken. Wobei das
letzte Werk "Todbringerin" mehr oder weniger ein Re-Release des 2016er
Albums "Todbringer ist, auch wenn die Stücke teilweise neu arrangiert,
aus "Scherben" ein Zweiteiler gemacht und das Akustik-Stück "Wind"
weggelassen wurde. Inhaltlich deckt Ellende von Misanthropie, Natur,
auch der menschlichen, Isolation, Krieg und Verzweiflung bis zu Sozialkritik,
alles ab. Das neue Album "Zerfall" (Zitat) "...porträtiert den Zustand,
in Fragmente zerbrochen zu sein, und den langsamen, schmerzhaften Prozess,
sich selbst wieder aufzubauen: eine Konfrontation mit der Leere und letztlich ein Triumph über sie."
Das Album startet mit "Nur", welches ein Instrumental ist, das mit sanften
Klängen und Sprachsamples beginnt und sich im weiteren Verlauf durch Gitarren
und Schlagwerk aufbaut. Man kann es auch als Intro zu "Wahrheit Teil I" werten,
geht es doch nahtlos in selbigen über. Hier machen sich dann auch sofort die
Trademarks Ellendes bemerkbar. Aggressive Black-Metal-Parts mit sägenden
Gitarren, galoppierenden Drums und heiser, kehligen Vocals wechseln sich
mit atmosphärischen Passagen und sanften Parts ab. Immer wieder bekommt das
Ganze Ambiente-Züge und wird mit flüsternden Vocals untermalt. Feine Leads
und ein Akkordeon und ja, Kuhglocken, würzen dann das "Gebräu" noch zusätzlich.
Warum L.G. jetzt "Wahrheit Teil I und II" nicht als einen Track konzipiert hat,
erschließt sich mir nicht so recht, außer er wollte keinen Song, der fast 13 Minuten
lang ist. Musikalisch trennt die beiden Nummern eigentlich nur ein kurzes Break,
die Struktur bleibt aber ähnlich. Der zweite Teil hat etwas mehr melodische Parts
mit helleren Gitarren, welche auch mal gefälliges "Flirren" an den Tag legen und
mit Soli Akzente setzen. Hier steuert zum Ende hin das Schlagzeug einen schönen
Groove bei.
Beim Titelgeber "Zerfall" kommen Streicher zum Tragen und auch der Bass (welcher
auch sonst hervorragend integriert ist) setzt hier einen schönen Akzent. Klavier,
Samples mit elektronischer Note und ein Cello (wenn ich mich nicht verhört habe)
spielen hier eine zarte Melodie. Das versprüht zu Beginn einen Hauch von Lounge-Musik,
baut sich leicht auf und bricht dann über den Hörer mit Macht herein. Es entlädt
sich die innere Zerrissenheit in einer blackmetallischen Eruption aus verzweifelten,
geschrienen Vocals, sägenden Riffs und donnernden Drums. Trotz flirrender Melodie
ist dieses Stück dunkel und voller Melancholie. Das bekannte Wechselspiel mit Tempo,
Atmosphäre und ambienten Passagen kommt aber auch hier nicht zu kurz.
Ellende überzeugt aber nicht nur mit den bereits erwähnten Elementen der harten Gangart,
sondern auch mit traurig schönen Melodien voller Melancholie, in denen auch mal Hoffnung
schimmert, feinen Chören und Atmosphäre, die einen emotionalen Schleier über das Ganze legt.
Wunderbar wahrzunehmen in "Übertritt" und "Ode Ans Licht". Für die beiden "Zeitenwende"-Stücke
steuern dann Klara Bachmair (Firtan), eine feine Violine (Teil I), und Peter Mairhofer,
ein starkes Solo (Teil II), bei. Die Violine hinterlässt hier, genau wie das Klavier,
einen bleibenden Eindruck. Im zweiten Teil setzen dann der "Stakkato-Part" und das Solo
von Peter starke Akzente, welche sich ebenso im Kopf festsetzen.
"Reise", ein Stück aus getragener Atmosphäre, brachialem Blackmetal, feinen Melodien,
Chören und Sprachsamples, schließt das eigentliche Album, bevor die beiden Bonustracks,
das instrumentale Jeremy Soule Cover "Secunda" und das Klavierstück "Verborgenes Inneres Leiden",
das Album sanft, ja fast zart ausklingen lassen. Auch hier, hauptsächlich durch Letzteren,
wird wieder eine sehr melancholische Stimmung erzeugt, welche durch die Flüster-Vocals
noch verstärkt wird.
Fazit:
Ellendes, durch die nahezu perfekte Produktion, sehr
passend in Szene gesetztes neues Album "Zerfall", überzeugt erneut auf ganzer Linie. Das
Thema der Platte wird dem Hörer mit detaillierten, komplexen Kompositionen, nicht nur
musikalisch, sondern auch emotional ganz nah gebracht und lässt diesen den "Zerfall,
die Zerrissenheit und das Wiederzusichfinden" hautnah miterleben. Wer sich auf diese
Scheibe einlässt, wird mit großartigen Klanglandschaften belohnt, welche sich durch
brachiale Black-Metal-Ausbrüche genauso auszeichnen wie durch sanfte, atmosphärische
Passagen voller Melancholie und großartiger Melodien.
Punkte: 9,5/10
Anspieltipp: alles
01. Nur
02. Wahrheit Teil I
03.
Wahrheit Teil II
04. Zerfall
05. Übertritt
06. Ode Ans Licht
07. Zeitenwende Teil I (feat. Firtan)
08. Zeitenwende Teil II (feat. Norikum)
09.
Reise
10. Secunda (Jeremy Soule Cover, Bonus)
11. Verborgenes Inneres Leiden (Bonus)
L. G. - Vocals and all Instruments
P. F. - Drums
Guest Musicians:
Klara Bachmair (Firtan) - Violine on "Zeitenwende Teil I"
Peter Mairhofer - Guitar Solo on "Zeitenwende Teil II
- Download Review in deutsch
- Bandcamp
Autor: Thomas







