Enthroned- Ashspawn

Band: Enthroned (B)
Genre: Black Metal
Label: Season Of Mist
Album Titel: Ashspawn
Spielzeit: 50:15
VÖ: 05.12.2025

Enthroned - Ashspawn

Seit mittlerweile 32 Jahren toben die Belgier Enthroned durch die Black Metal Szene und zählen somit zu den Urgesteinen selbiger. Abseits der sogenannten zweiten Welle des Black Metal, was sich eher auf die skandinavische und speziell die norwegische Szene bezog, sorgte Enthroned 1995 mit ihrem Debüt "Prophecies Of Pagan Fire" direkt für ein Achtungszeichen und man etablierte sich schnell im Genre. Ihre unbändige Art, mit sägenden Gitarren und wilden Blastbeats durch die Songs zu rasen, wurde schnell zu ihrem Markenzeichen und entwickelte sich stetig weiter, ohne dabei den ursprünglichen Pfad zu verlassen. Dies liegt sicher nicht zuletzt daran, dass Nornagest das einzige konstante Mitglied der Band (seit ’95) ist und somit den ursprünglichen Charme immer aufrecht hält. Nach nunmehr elf Studioalben und einer Entstehungsphase von gut 6 Jahren, gibt es Anfang Dezember Album Nummer 12, welches auf den Namen "Ashspawn" hört. Sinngemäß kann man das als "Geburt aus der Asche" oder "Aschebrut" übersetzen, was auch das Thema der Scheibe widerspiegelt, welches sich um spirituellen Tod und Wiedergeburt dreht und mit Unterstützung des okkulten Autors Gilles de Laval entstand.

Das Album startet mit "Crawling Temples", was mit "teuflischen" Flüster-Vocals und atmosphärisch, bedrohlichen Samples startet und dann in einen mächtigen, druckvollen Midtempo Ausbruch übergeht. Tiefgestimmte Gitarren und ein raumfüllender Bass sägen sich durch die Nummer und die Drums treiben diese vor sich her. Wenn das Tempo verschärft wird, ballern dir die Blastbeats nur so um die Ohren und die garstigen, bedrohlichen Vocals von Nornagest verleihen dem Ganzen einen tiefschwarzen, okkulten Anstrich. Dieser gelungene Einstieg ins Album zeigt unmissverständlich, dass Enthroned noch ganz viel Wut in petto haben, um auch in Zukunft in ihrer unverwechselbaren Art neue Eisen aus okkulten, metaphysischen Rohstoffen zu schmieden.

Da ich die Band fast von Anbeginn begleite, habe ich mir mal etwas mehr Zeit genommen und mir in den vergangenen Wochen alle Alben der Truppe zu Gemüte geführt. Was soll ich sagen? Enthroned klingen 2025 noch genauso hungrig, roh und wild wie 1995. Dies bedeutet jetzt allerdings nicht, dass die Belgier immer dasselbe machen. Mitnichten; dies bedeutet nur, dass die Band an ihrer Grundausrichtung nichts geändert hat, was auch auf Album Nummer 12 für den großen Wiedererkennungswert der Truppe sorgt. Im Laufe der Jahre wurde der eigene Stil verfeinert und um verschiedene Einflüsse erweitert. So gibt es neben den Enthroned-typischen Highspeed Blastbeats, diverse Midtempo-Parts und progressive Momente.

Das mit der Zeit immer ausgefeilter gewordene Songwriting erreicht auf "Ashspawn" seinen vorläufigen Höhepunkt. Immer wieder gibt es Breaks, Rhythmus- und Tempowechsel und kurze, Akzente setzende Soli. Gelegentlich gibt es auch eine Art Melodie zu vernehmen. Auch die Vocals werden nicht einfach "dahingerotzt", wie man so schön sagt, sondern geben den Nummern immer auch eine bestimmte Aura, was aber auch Interpretationsspielraum zulässt. So verleihen sie den Songs mal Wut, mal Resignation und ein anderes Mal einen beschwörenden Charakter. Eine Nummer wie "Ashen Advocacy" startet mit bedrohlichen Samples, was den Charme einer Reportage verströmt, wenn man im Hintergrund die Sprachfetzen wahrnimmt. Dieses Stück verströmt eine finstere, bedrohliche Atmosphäre und kommt sehr schleppend und absolut drückend daher, Ein sehr prägendes Riff bestimmt dabei die Nummer, welche dann ab Mitte wieder Geschwindigkeit aufnimmt und mit dem typischen Enthroned-Gewitter über dich herfällt. Im hinteren Teil der Nummer wird man dann etwas experimenteller und das Ganze bekommt wieder einen intensiveren okkulten Charakter. Mein absoluter Favorit auf der Platte.

Der Albumabschluss "Assertion" stampft dann mächtig und finster durch dein Wohnzimmer und erzeugt immer wieder Momente, als würde dir jemand die "Messe lesen". Man beendet die Platte genauso großartig, wie man sie begonnen hat. Die fette, druckvolle Produktion rundet das Ganze perfekt ab. Old-School-Charme und Moderne geben sich hier ein Stelldichein und geben diesem Album den perfekten Sound, sodass hier die Musik ihre volle Wirkung erzielen kann.

Fazit:
"Ashspawn" liefert dir Enthroned in Höchstform und überzeugt in allen Belangen. Abwechslungsreiche Songstrukturen, verpackt zwischen wilden Blastbeat Attacken, variablen Soli, progressiven Momenten, Midtempo Parts und mysteriösen Samples, machen das Album zu einer der interessantesten Scheiben, die ich seit Langem in diesem Genre auf meine Ohren hatte. Mit seinen Vocals, welche manchmal klingen, als kämen sie direkt aus der Hölle, ergänzt Nornagest das okkulte Gemisch in lyrischer Form perfekt. Dieses Album ist nicht einfach Black Metal. Nein, es ist eine okkulte, beschwörende Messe, die dir gelesen, respektive um die Ohren gehauen wird. Verpackt in tiefschwarzen, aggressiven und detailliert ausgearbeiteten musikalischen Ergüssen.

Punkte: 10/10

Anspieltipp: alles

Tracklist

01. Crawling Temples
02. Basilisk Triumphant
03. Stillborn Litany
04. Ashspawn
05. Raviasamin
06. Sightless
07. Chysalid
08. Ashen Advocacy
09. Assertion

Lineup

Nornagest - Vocals, Samples
T. Kaos - Guitars, Bass
Menthor - Drums

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