Vintersorg - Vattenkrafternas Spel

Band: Vintersorg (S)
Genre: Viking / Folk / Black Metal
Label: Hammerheart Records
Album Titel: Vattenkrafternas Spel
Spielzeit: 59:50
VÖ: 25.09.2025

Vintersorg - Vattenkrafternas Spel

Bei Vintersorg muss ich leider etwas weiter ausholen, verfolge ich doch die Band schon seit fast 30 Jahren.
1994 als Vargatron von Andreas Hedlund, auch bekannt als Vintersorg, ins Leben gerufen und seit 1996 als eben Vintersorg unterwegs, kommt mit "Vattenkrafternas Spel" das mittlerweile elfte Studioalbum unters Volk. Anfangs fast klassisch im Folk / Black Metal mit muttersprachlichen Lyrics unterwegs, kamen bei späteren Alben mehr und mehr auch Elemente anderer Stile zum Einsatz. Nach der "Hedniskhjärtad"-EP, welche sehr folklastig und "ruhig" daherkam, und dem genreprägenden, deutlich härteren und dunkleren 98er-Album "Till Fjälls", folgte mit "Ödemarkens Son" ein weiteres Album in dieser Richtung. Mit dem dritten Werk "Cosmic Genesis" gab es dann erstmals auch englische Lyrics und die ersten progressiven, aber noch nicht prägenden Momente tauchten in der Musik Vintersorgs auf. Diese progressiven Züge nahmen in den nächsten Veröffentlichungen immer mehr Raum ein, was dafür sorgte, dass jedes weitere Album der Schweden von den Fans mit Spannung erwartet wurde. Bei den einen mit der Hoffnung auf Rückkehr zu den "Wurzeln", bei den anderen in der Hoffnung, es würde so weitergehen und vielleicht sogar noch progressiver werden. Am Ende kann man resümieren, dass zumindest "Orkan" (2012) und "Naturbål" (2014) eine ausgewogene Mischung aus beidem darstellten.
Mit dem letzten Output "Till Fjälls Del II" (2017) wurde dann die Rückkehr zu den Wurzeln mehr als deutlich, was auch schon durch den Titel suggeriert wurde. Dieses Album verströmte auch bei mir das Gefühl, als wäre die Zeit zurückgedreht, denn die Scheibe nahm mich genauso gefangen wie das Album von 1998. Das Beste daran: Es klang wie "Till Fjälls", hatte denselben Spirit wie "Till Fjälls", aber war doch anders und eben kein zweites "Till Fjälls". Und genau dies sorgte auch bei meinem Kollegen Blacky für die Höchstnote. Nun, acht Jahre später liegt "Vattenkrafternas Spel" in meinem Player und ich war gespannt, was nun noch kommen kann.

Anders als "Till Fjälls del II" geht Mastermind Vintersorg auf dem neuen Album nicht nur zurück zu den Wurzeln, sondern nimmt den Hörer, zumindest rein musikalisch, mit auf eine Reise durch die Zeit, eine Reise durch die Diskografie Vintersorgs. Hier werden mit ausgefeiltem Songwriting Elemente aus allen Phasen der Band verknüpft. Dies macht es natürlich ziemlich schwer, den einen oder anderen Titel hervorzuheben, da hier 9 von 9 Hörern wahrscheinlich einen anderen als Favorit benennen würden. Deshalb stehen am Ende meine persönlichen als Anspieltipp.

Das Album startet mit "Efter Dis Kommer Dimma", einer typischen Nummer früher Vintersorg. Hier dominieren das Wechselspiel aus melodischen und brachialen Parts, sowie der unverkennbare Klargesang und die harschen Vocals Vintersorgs. Schneidende Riffs und treibende (programmierte) Drums sorgen für ordentlich Dampf in den härteren Momenten und die Keys für die tragenden in den sanfteren Parts, genau wie die female Vocals. Diese Nummer hätte soundtechnisch auch auf "Ödemarkens Son" gepasst. Trotz einiger vertrackter Parts, ist der Song relativ eingängig, was den Einstieg ins Album leicht macht. Auch der zweite Track "Störtsjo" trägt die Merkmale der frühen Phase und kommt sogar mit ein paar Death Metal-mäßigen Growls daher. Hier mischen sich Folk-, Black- und Death Metal, welcher aber auch mit feinen Samples verfeinert wird. Das starke, schon als Vorabsingle ausgekoppelte "Malströmsbrus" zeigt Vintersorg in seiner "Urform". Keine andere Nummer des Albums beamt dich so in die 90er zurück wie diese. Hier bekommt man die epische Note, die Atmosphäre und die Kraft des naturverbundenen Folk Metal, für den die Fans Vintersorg damals in ihr Herz schlossen. Ein Song wie "Från Djupet Dunstar Tiden" erscheint dann wie eine Mischung aus "Till Fjälls" und "Vildmarkens Förtrollande Stämmor" vom 98er Debüt und vereint geschickt Melodik, Härte und Wucht.

Im Großen und Ganzen hat das Album eindeutig Schlagseite in Richtung früher Vintersorg. Die Einschübe aus der Phase zwischen "Visions from the Spiral Generator" und "Jordpuls" liegen hier hauptsächlich in den vertrackten Momenten, denn die progressiven Elemente sind auf dem neuen Album deutlich geringer ausgefallen. Dass das alles dennoch immer wieder progressive Züge annimmt, liegt meiner Meinung nach am manchmal etwas überladenen Sound der Scheibe. Auch wenn die Produktion ansonsten wie gewohnt druckvoll und satt durch die Anlage gedrückt wird, kann man diese überladenen Momente nicht überhören, auch wenn sie mehr oder weniger schon immer zu Vintersorg gehören. Leider ist auch dieses Mal das Schlagzeug programmiert. Ich glaube, wenn Benny Hääglund das Material auch im Studio eingetütet hätte, würde das Ganze noch authentischer klingen.

Fazit:
Auch wenn die Erwartungen, die "Till Fjälls del II" geschürt haben, nicht ganz erfüllt wurden, so ist das neue Werk doch ein solider Stein im Fundament des Hauses Vintersorg.
"Vattenkrafternas Spel" hat eindeutig Schlagseite zu den frühen Vintersorg, verarbeitet aber auch Elemente der späteren Phasen, was sich im detaillierten Songwriting und im Sound widerspiegelt. Die progressiven Momente entstehen hier vorwiegend durch vertrackte, leicht überladene Parts. Ansonsten kann man festhalten: Vintersorg haben hier alles in die Rille gefräst, was sie am Ende ausmacht, und verströmen in jeder Sekunde die Kraft ihrer Musik. Ein Album voller atmosphärischer Klangwelten, gepaart mit melodischen Gesangslinien, garstigen Schreien, harschen Vocals und mehrstimmigen Gesangsparts.

Punkte: 8,5/10

Anspieltipp: Efter Dis Kommer Dimma, Malströmsbrus, Från Djupet Dunstar Tiden

Tracklist

01. Efter Dis Kommer Dimma
02. Störtsjö
03. Malströmsbrus
04. Från Djupet Dunstar Tiden
05. Ur Älv Och Å
06. Kraftkällan
07. Regnskuggans Rike
08. Skyrök
09. Ödsliga Salar

Lineup

Vintersorg - Vocals, Guitars, Keyboards, FX and Drum Programming
Matte Marklund - Guitars
Simon Lundstöm - Bass

Guest Musician:
Johanna Lundberg - female Vocals on Efter Dis Kommer Dimma
Peter Roy Wester - Keyboard Solo on Ödsliga Salar

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