Mjolne - Through Veils Of Time
Band: Mjolne (N)
Genre: Symphonic Black Metal
Label: ATMF
Album Titel:
Through Veils Of Time
Spielzeit: 55:31
VÖ: 29.08.2025
Viele werden sich sicher noch an die 90er erinnern, als in
Skandinavien mehr als nur Dimmu Borgir dem symphonischen Metal
frönten. Siebenbürgen, The Sins Of Thy Beloved, Tristania oder auch
Mactätus waren Bands, die sich aus dem "Black-Metal-Korsett"
befreiten und diesem kalten, rohen und "bösen" Genre orchestrale,
melodische und eingängige Komponenten beimischten, ohne sich dabei
von den Wurzeln zu entfernen. Bereits 1989 gegründet, gehörten
letztere dabei mit zu den ersten, noch bevor Dimmu Borgir in den
Startlöchern stand, dieses Subgenres. Wenn auch nicht so erfolgreich
wie Dimmu, haben sie doch mit den für meinen Geschmack
unterschätzten Alben "Provenance of Cruelty" und "The Complex
Bewitchment" ihre Spuren im Genre hinterlassen. Nachdem man 2002
dann die "Segel strich", versuchte man es immer wieder mal neu zu
starten, aber bis auf eine Split-Veröffentlichung mit Imperium, auf
der man die 96er-Demo "Sorgvinter" beisteuerte, kam nichts dabei
rum.
Nun hat sich Mjolne, der Drummer und Mitgründer von
Mactätus, entschlossen, nachdem er durch Familie und Freunde
ermuntert wurde, seine Musik unter seinem eigenen Banner zu
veröffentlichen. Nachdem dies bereits im Februar digital geschah und
positive Resonanzen hervorrief, erscheint "Through Veils Of Time"
nun Ende August auch in physischer Form auf CD.
Schon der
Opener "What I Once Was" zeigt, wohin die Reise geht. Zurück in die
90er, ohne aber wirklich aus der Gegenwart auszubrechen. Nach
kurzem, sanften Intro erhebt sich das Stück mächtig und episch im
Keyboardgewand, mit tief ins Fleisch schneidenden Riffs, treibendem,
rasantem Drumming und kehligen, dunklen Vocals. Die orchestrale Note
gibt dem Ganzen einen eingängigen Touch und Chöre im Hintergrund
sorgen für eine gewisse Mystik. Im hinteren Teil gibt es dann wieder
einen Part, der ähnlich dem Intro sanft für einen Moment durchatmen
lässt, bevor die Nummer etwas im Tempo gedrosselt, aber mächtig
endet.
In dieser Form geht es dann auch in den anderen
Stücken vonstatten. Dies macht die Songs etwas vorhersehbar, aber
auch das Soundgewand sehr stimmig. Durch den hohen orchestralen
Anteil wird auch eine gewisse Atmosphäre erzeugt, was das Ganze noch
mächtiger macht. Manchmal vielleicht auch etwas zu mächtig, was am
Ende aber Geschmackssache ist. Die Streicher sorgen dabei immer für
feine Akzente und Tempo- und Rhythmuswechsel, sowie Breaks und kurze
Verschnaufpausen in Form von sanften Zwischenspielen sorgen für die
nötige Abwechslung. Ein geschickt eingesetztes Mittel, um nicht vom
mächtigen Sound überrollt zu werden. Wie kalt, mächtig,
energiegeladen und brachial, aber auch gleichzeitig episch und zart
eine Nummer sein kann, zeigt Mjolne eindrucksvoll mit dem Titelstück
"Through Veils Of Time". Das ist nicht nur der Titelsong, sondern
auch die Hymne des Albums.
Für eine größere Verschnaufpause
sorgt dann "Skaldekvad". Das Stück ist ein ruhiges Zwischenspiel,
welches mit zarter Akustikgitarre, Streichern und hintergründigen,
"halb gesungenen" Vocals daherkommt. Aber auch dieses Stück ist
voller epischer Atmosphäre und sehr einprägsam. "In The Abyss Of
Existence" bricht dann wieder mächtig über den Hörer herein. Es
vermeidet aber, dich direkt zu überrollen, sondern kommt zu Beginn
eher im unteren Midtempo daher, bevor das Tempo dann angezogen wird.
Es wird eine wuchtige, orchestrale Wand hochgezogen, welche sich
aber wie Wellen auf und ab türmt, um gegen Ende mit einem Kontrabass
auszulaufen. In dieser Nummer findet man auch am ehesten, vorwiegend
in den schnellen Parts, die Nähe zu Mactätus.
"Part I Reisen"
der Trilogie "Til Helheim" ist dann ein melodischer, vom Tempo her
eher gleichmäßiger Song, bei dem die orchestrale Inszenierung nicht
ganz so mächtig ist. Hier sind die Streicher allerdings ein
tragendes Element. Dieses Stück kann man sich gut mit echtem
Orchester auf der Bühne und auch bildlich als Reise nach Helheim
vorstellen, leicht aufgeregt, in Erwartung auf das, was folgt. Das
ruhige Zwischenspiel "Part II Forvandlingen", aus Samples,
akustischer Instrumentierung und gesprochenen Worten, ist dann der
Moment der Transformation, wenn man angekommen ist. Hier verbreiten
die Streicher wieder einen leicht mystischen Charme. "Part III
Gjenreiselsen", die Wiedergeburt, klingt dann auch genauso, hier
hört sich der Sound des Ganzen, trotz Kälte und Wucht, irgendwie
beschwingt an, eben wie "neu geboren". Nach dem mächtigen "The Cries
Within", welches in eine ähnliche Kerbe schlägt wie der Titelsong,
endet das Album mit dem zarten instrumentalen Epilog "Ut Av Tiden".
Hier wird mit flirrenden Balalaika-mäßigen Gitarren noch mal ein
zusätzlicher Akzent gesetzt.
Dass das alles, trotz der
wuchtigen Orchestrierung, den Hörer nicht überfordert, liegt neben
dem geschickten Songwriting nicht zuletzt an der guten Produktion,
welche das alles in ein mächtiges Soundgewand packt, welches nur
selten an die Grenze des Erträglichen kommt. Falls die Gefahr
dennoch mal aufkommt, gibt es im richtigen Moment das Break.
Fazit:
Das Mjolne-Debüt ist eine düstere, mächtige, aber auch
epische Reise zurück in die Neunziger, ohne die Gegenwart zu
verlassen. Hier wird eher Altbewährtes zurückgeholt, mit dem
heutigen verbunden und Überschüssiges über Bord geworfen. Wer die
90er des Genres vermisst, aber auch nicht auf die moderne Art
verzichten möchte, ist bei Mjolne richtig! Wie der Albumtitel schon
verrät, ist es ein Blick durch den Schleier der Zeit. Ein Schleier
ist halt durchlässiger als eine Wand und dies lässt die
Verschmelzung der beiden Welten "Gestern" und "Heute" zu.
Punkte: 8,5/10
Anspieltipp: alles
01. What I Once Was
02. The Olden Perspectives
03. Through
Veils Of Time
04. Skaldekvad
05. In The Abyss Of Existence
06. Til Helheim Pt.I Reisen
07. Til Helheim Pt.II Forvandlingen
08. Til Helheim Pt.III Gjenreiselsen
09. The Cries Within
10.
Ut Av Tiden
Mjolne - Vocals and all Instruments
- Download Review in deutsch
- Bandcamp
Autor: Thomas







