Martyr - Dark Believer

Band: Martyr (NL)
Genre: Heavy / Power Metal
Label: ROA Records
Album Titel: Dark Believer
Spielzeit: 46:07
VÖ: 15.08.2025

Martyr - Dark Believer

Heute haben wir es mal wieder mit einer "Underground-Legende" zu tun. Auch wenn die Niederländer Martyr nicht jedem Metalhead was sagen, so sollten zumindest "ältere", eingefleischte Heavy- und Power Metaller wissen, um wen es hier geht. Dass ich "ältere" betone, liegt daran, dass Martyr, gegründet 1982, ihre erste "Karriere" 1989 wieder beendeten, wobei ihre Demos und die beiden ersten Veröffentlichungen einen bleibenden Eindruck hinterließen. Seit mittlerweile 20 Jahren widmet man sich aber wieder der Musik und hat seitdem weitere 3 Studio- und ein Live-Album unters bangende Volk gebracht. Somit erscheint dieser Tage mit "Dark Believer" ihr sechstes reines Studioalbum.

"Dark Believer" startet mit "Darkness Before Dawn", welcher von einem zarten Intro eingeleitet wird, was einen epischen Touch aufweist und mit einem Sample aus Wind und Donner daherkommt. Der Gesang und die Akustikgitarre geben selbigen den Charme eines Prologs zu einem Historienfilm. Nach ca. 40 Sekunden fängt der Song dann aber an, seine ganze Macht zu entfalten. Herrlich melodische Leads in feinem Zusammenspiel mit der Rhythmusfraktion aus kernigen Heavy-/Power-Riffs und groovigem, präzisem Drumming bilden hier ein solides, prägendes Gerüst. Dieses wird durch den Bass noch mächtiger, als es ohnehin schon ist, und der leicht kehlige Gesang von Rop, welcher aber auch die hohen Screams beherrscht, setzt dem Ganzen dann die Krone auf.
Schon in dieser Nummer fährt die Band alles auf, was das Heavy- und Power-Metal-Herz höher schlagen lässt. Dass das alles auch mit rasantem Tempo daherkommt und mit Soli bestückt ist, ist da nur logisch. So und so ähnlich geht es dann auch in den ganzen 46 Minuten vonstatten.

Denkt jetzt aber nicht, es könnte langweilig werden, mitnichten. Man variiert geschickt im Tempo, verliert sich nicht in sinnlos langem Gefrickel und hält den Spannungsbogen auch mit Rhythmuswechseln, Breaks und kleinen, aber feinen, unerwarteten Akzenten aufrecht, und auch der Gesang macht da keine Ausnahme. Vor allem in den ganz schnellen Momenten erinnert mich das Ganze immer wieder an die Italiener Rhapsody Of Fire, auch beim Gesang. Was jetzt ausdrücklich kein Vergleich darstellen soll, denn Martyr sind viel dunkler und variabler als die Italiener.

Ein Highlight des neuen Martyr-Albums ist "Cemetery Symphony". Auch wenn das Level der Nummer auf ähnlich hohem Niveau ist wie das der anderen Stücke, so gibt es hier immer wieder epische Momente, was den Song zu einer Art Hymne der Scheibe macht. Vor allem in den Momenten, in denen die weiblichen Chöre das Ganze untermalen, könnte man das auch für einen Film-Soundtrack nutzen. Großartig! Beim Songwriting hat man ebenso bei dieser Nummer das beste Händchen bewiesen.
In einem Stück wie "Insidious" zeigt dann Rop nochmal eindrucksvoll, wie gut er auch die ganz hohen Töne beherrscht, bevor dann mit "The Weight Of Words" ein mächtiger, mit Doom-Anleihen daherkommender, schwerer Groover durch die Boxen drückt. Aber auch einen fast schon klassischen Heavy-Metaller haben die Mannen um Fronter Rop und Gitarrist Rick mit "Venoms Scent" an Bord.
Mit dem rasanten Power-Metaller "Legions Of The Cross" wird das Album dann, auch wieder mit epischem Touch versehen, würdig abgeschlossen. Kleiner Tipp: Direkt das Album noch einmal laufen lassen!

Dass ich hier so angetan von der Musik der Utrechter bin, liegt nicht zuletzt an der starken, druckvollen und klaren Produktion, welche das Ganze sehr authentisch klingen lässt. Hier wird nichts überlagert, was nicht auch so sein soll, alles harmoniert perfekt mit und untereinander und das Gleichgewicht zwischen Gesang und Instrumenten ist absolut stimmig. Besser kann man das kaum machen.

Fazit:
Martyr liefern mit "Dark Believer" ein bärenstarkes Album ab, welches Heavy- und Power-Metal perfekt in Symbiose bringt. Dieses Album fährt alles auf, was der geneigte Hörer haben möchte. Großartige Melodiebögen, kerniges Riffing und eine exzellente Rhythmusfraktion. Bass und Groove sorgen für Tiefe und ordentlich Dampf auf dem Kessel, was durch Soli immer geschickt aufgelockert wird.
Martyr schaffen es ebenfalls, das Album mit einem modernen Anstrich zu versehen, ohne dabei ihre Old-School-Wurzeln zu verlieren. Eigentlich sind wir ja alle "Dark Believers", falls du es bis jetzt nicht bist, bist du es spätestens, wenn du diese Scheibe gehört hast. Denn dieses Album gehört definitiv zu den besten Alben des Jahres 2025.

Punkte: 10/10

Anspieltipp: alles

Tracklist

01. Darkness Before Dawn
02. Dark Believer
03. Wrath Of The Fallen
04. Cemetery Symphony
05. Insidious
06. The Weight Of Words
07. Venoms Scent
08. Harvest Of Souls
09. Legions Of The Cross

Lineup

Rop van Haren - Vocals
Rick Bouwman - Guitars
Justin Schut - Guitars, Synths
Vinnie Wassink - Bass
Ed van Wijngaarden - Drums

Informationen