Stiriah - Portal

Band: Stiriah (D)
Genre: Black Metal
Label: Crawling Chaos Records
Album Titel: Portal
Spielzeit: 52:08
VÖ: 23.02.2024

Stiriah - Portal

Mit "Portal" kommt dieser Tage das vierte Langeisen der Preußisch/Sächsischen Black Metal Schmiede zur geneigten Hörerschaft. Bereits seit 2007 aktiv, gab es das erste Lebenszeichen in Form einer EP aber erst im Jahr 2015, bis zwei Jahre später das Langeisen-Debüt "Aurora" erschien. Dann hatte man aber anscheinend genau das gefunden, was man wollte und so folgten im Zweijahresabstand Album zwei und drei. Auch wenn ihnen kein ganz großer Wurf gelungen ist, so konnten sie doch auf allen Outputs überzeugen und gaben den Kritikern nur wenig "Angriffsfläche". Ob dies mit "Portal" so bleibt, wird sich zeigen.

Langes Federlesen gibt es hier jedenfalls nicht. Man geht sofort in die Vollen und es bricht regelrecht über den Hörer herein. Brutal, brachial und ohne Rücksicht auf Verluste fliegen dir kernige Black Metal Riffs um die Ohren. Wilde, wütende Schreie dringen tief ins Gehirn und treiben jeden positiven Gedanken aus, der Bass sorgt für Tiefe und das Schlagwerk treibt die Songs ohne Gnade nach vorn. Auch wenn sich im ersten Moment ein Gefühl von Chaos breit macht, mit jeder Sekunde der man diesem Black metallischem Ausbruch zuhört, erkennt man die technische Versiertheit, mit welcher dieses Konstrukt schwarzer Kunst dargeboten wird.

Neben dem tiefschwarzen Inferno gibt es aber auch feine Leads, welche immer eine gewisse Melodie in den jeweiligen Song packen und daher eine gewisse Eingängigkeit erzeugen. Das Wechselspiel zwischen diesen und immer wieder auftauchenden Dissonanzen sorgt, neben Breaks und Tempowechseln, immer wieder für entsprechende Abwechslung. Die eingestreuten Keys sind songdienlich, aber wirklich auffallen tun sie nur unterm Kopfhörer. Am deutlichsten sind diese wohl noch zum Ende von "In Der Nacht" zu hören, was hier einen tollen Akzent setzt. Das Album mit Kopfhörern zu hören, würde ich dabei jedem empfehlen, der die technische Seite des Albums vollkommen auskosten möchte. Diese Mucke so zu zelebrieren, ist schon bemerkenswert.

Die acht Stücke der Scheibe sind alle ähnlich gestrickt, besitzen dabei aber immer ihre eigenen Akzente, was sie von den jeweils anderen unterscheidet. Manchmal ist es einfach eine Art Chor, welcher in einem leicht atmosphärischen Part vorkommt, oder mal ein Break und darauffolgender grooviger Moment. Wer mich kennt, weiß wie sehr ich diese Art flirrenden Gitarren liebe und damit kann auch Stiriah ordentlich punkten. Genauso wie sie es mit feinen Leads können, bieten sie auch diese Spielweise überzeugend dar.

Ich möchte hier auch gar nicht groß auf die einzelnen Stücke eingehen, denn jedes könnte hier als Anspieltipp stehen und ich wette, 8 von 10 Hörern finden hier ein anderes für sich. Am stärksten sind für mich "Portal", "Schwarzes Nass", "Ein Ewiger Kerker" und Tempus", weil diese einfach am komplettesten sind, was die anderen aber nicht weniger überzeugend macht. Genauso hat mich auch die Produktion überzeugt, leicht rau, aber doch klar genug, um ein Klangerlebnis zu haben, welches auch Details erkennen lässt. Anmerken möchte ich noch, dass man sich unbedingt die Lyrics zu Hand nehmen sollte, denn auch wenn diese in deutscher Sprache vorgetragen werden, sind sie kaum verständlich. Was am Ende die brutale Seite der Scheibe nur untermauert und somit nicht wirklich als Manko zu werten ist.

Fazit:
"Portal" ist ein saustarker, tiefschwarzer "Wutbatzen", welcher durch seine technische Versiertheit genauso überzeugen kann wie mit Brutalität und gleichzeitiger Eingängigkeit. Hier findest du alte Black Metal Schule genauso wie moderne Momente, welche Kälte genauso in sich tragen wie eine gewisse Tiefe und Dunkelheit. Auch wenn man gut und gerne die eine oder andere skandinavische Black Metal Größe der 90er als Vergleich herholen könnte, Stiriah haben ihren eigenen Stil und Trademarks und verfestigen dies mit diesem Album großartiger schwarzer Tonkunst.

Punkte: 9,5/10

Anspieltipp: Alles

Tracklist

01. Sterbend im Nebel
02. Portal
03. In der Nacht
04. Schwarzes Nass
05. Ein ewiger Kerker
06. Brennendes Licht
07. Die letzte Ebene
08. Tempus

Lineup

Esgaroth - Guitars, Vocals
Tyrann - Guitars, Vocals
Cryst - Bass, Vocals
Ortok - Drums

Informationen