Reliquiae - Gestrichen

Band: Reliquiae (D)
Genre: Mediaval / Folk Rock
Label: Metalville
Album Titel: Gestrichen
Spielzeit: 48:53
VÖ: 13.05.2022

Reliquiae - Gestrichen

Das neue Werk der Osnabrücker Reliquiae nennt sich "Gestrichen" und ist eigentlich gar kein neues Album im herkömmlichen Sinn. Beinhaltet es doch bekannte Titel aus der eigenen Historie. Zum 10-jährigen Jubiläum hat man sich 11 Stücke rausgepickt und diese mit Streichern neu arrangiert. Zwei der Stücke, nämlich "Hölle" und "Scheintod", gibt es zusätzlich auch als Instrumental dazu. Somit hat das neue Album 13 Stücke und bedient damit fast 49 Minuten Spielzeit. Als eine Art "Best Of" kann man die Scheibe aber auch nicht bezeichnen, da die Stücke eine andere musikalische Ausrichtung haben als die Originale.

Wer die Truppe kennt, der weiß, dass die Lieder der Niedersachsen relativ energiegeladen daherkommen und es immer vermögen, vor allem live, das Publikum mitzunehmen. Hier jedoch werden die Stücke in traurig-schöne Melodien verpackt und mit dem ebenso emotionalen, teils schon melancholischen, weichen Gesang Bastus' verwoben. Aber auch in diesen Versionen gibt es immer wieder Momente, in denen man die Energie der Lieder wahrnehmen kann, z.B. wenn Bastus seine Stimme etwas erhebt oder die Streicher mal etwas intensiver den Bogen über die Saiten streichen. Das Streicherarrangement ist sehr dunkel gehalten und erzeugt dadurch eine entsprechende Stimmung, welche teilweise eine bedrückende Atmosphäre verströmt. Vor allem in den Passagen ohne Gesang.

Hauptsächlich werden die Stücke mit Cello und Violine vertont, wodurch sie alle eine sehr klassische Ausrichtung erhalten und auch als Kammermusik funktionieren. Daher sehe ich das Album eher in der Klassik angesiedelt, was aber überhaupt nicht schlimm ist. Im Metal ist auch sehr viel Klassik enthalten und deshalb gibt es unter den Metallern und Rocken auch viele Klassikfreunde. Und für diese wird "Gestrichen" sicher interessant sein.

So gut die Lieder auch arrangiert und musikalisch umgesetzt wurden, alles ist dennoch nicht Gold, was glänzt. Durch die Streicher bekommt alles einen ähnlichen Sound, was über das ganze Album hinweg etwas ermüdend wird und ein bisschen Langeweile aufkommen lässt. Dadurch, dass "Hölle" und "Scheintod" auch noch zusätzlich als Instrumental zu vernehmen sind, wird dieses Gefühl noch verstärkt. Auch wenn die beiden Instrumentals mehr oder weniger als In- und Outro fungieren, so ziehen sie das Album doch zusätzlich in die Länge. Hier wäre weniger vielleicht mehr gewesen!?

Über die Produktion braucht man nicht viele Worte zu verlieren, diese ist lupenrein und würde auch einem "echten" Klassik-Album gut zu Gesicht stehen.

Fazit:
"Gestrichen" könnte man als Liederzyklus für Cello und Violine bezeichnen. Viel Klassik, wenig Rock, aber eine interessante Interpretation von Lieblingsliedern der eigenen Historie. Man hört es dem Album auf jeden Fall an, dass es der Band ein Bedürfnis war, sich hier im klassischen Stil zu verwirklichen. Wer auch an klassischer und Kammermusik gefallen findet, der sollte diesem Album ruhig mal ein oder zwei Ohren schenken.

Punkte: 7/10

Anspieltipp: Winter, Feuertanz, Hölle

Tracklist

01. Hölle(Instrumental)
02. Eiswüste
03. Winter
04. Scheintod
05. Der Taucher
06. Die Sonne scheint
07. Licht
08. Anderes Gesicht
09. Feuertanz
10. Engelmacher
11. Zwei Herzen
12. Hölle
13. Scheintod(Instrumental)

Lineup

Bastus - Vocals, Cister
Breacán - Guitars, Vocals
Morti - Bass
Svea Elderthal - Violins, Vocals
Comatus - Keyboards, Percussions, Vocals
Coluber - acoustic Guitars, Bagpipes, Shawms, Flute
Lasko - Drums

Guest Musician:
Stella-Lucia - Cello

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