Witchbound - End Of Paradise

Band: Witchbound (D)
Genre: Heavy Metal
Label: El Puerto Records
Album Titel: End Of Paradise
Spielzeit: 59:06
VÖ: 30.04.2021

Witchbound - End Of Paradise

Die Bandgeschichte von Witchbound liest sich beinahe wie eine literarische Tragödie. Lag dem Debüt noch das Vermächtnis des 1989 verstorbenen Stormwitch-Gitarristen Lee Tarot zugrunde, was das Werk zu einer absoluten Perle machte und schnell zu einem Geheimtipp voller Volltreffer avancierte, so ist hier nun einiges anders. 2019 verstarb tragischerweise der nächste Gitarrist der Band, Martin Winkler. Auch der Mann am Mikro wurde ersetzt, und dies direkt durch zwei(!) neue Stimmen. Zum einen haben wir hier die von Bands wie Envinya und The Blue Season geschulte Shouterin Natalie Pereira des Santos, zum anderen die von ex-Dark IV und Alsion-Frontmann Tobias Schwenk. Diese tragen ihre Strophen meist im Duett, mal zusammen und mal abwechselnd vor, was auch an sich gar nicht übel klingt. Weitere Neuerungen finden wir am Tieftöner mit dem Bassisten Frank Bittermann.

Aber wie ist nun die Musik auf der neuen Scheibe? Nun, leider kann das neue Werk nicht ganz mit dem fantastischen Vorgänger mithalten, was aber per se für viele Freunde melodischen Heavy Metals kein Beinbruch sein dürfte, denn qualitativ wird gut abgeliefert. Man bietet griffige Hooks, eine knackige Produktion, manchen eingängigen Refrain (Titetrack) und auch spielerisch ist kaum etwas zu bemängeln. Was mich als alten Hasen und Fan der Ursprungsband Stormwitch aber ganz klar betrübt, ist die fehlende "Magie" des Vorgängers. Statt Melodien, die hörbar voller Herzblut in die Songs fließen, sind hier viele Nummern mit dem bösen Wort "generisch" abstrafbar. So dauerte es bis zum erwähnten Titeltrack, bis mich das erste Mal überhaupt ein Song mitreißen konnte. Dies wird aber getrübt durch Natalies verkrampfte Halb-Growls im "Burning Witches" Stil, die einfach irgendwie nicht recht passen wollen.

Ansonsten bietet man mit Titeln wie dem akustisch ausgeschmückten "Carved in Stone" (Minuspunkt für erneute Growlversuche), dem etwas düsterer gehaltenen "Torquemada", in dem Natalie es mit seltsamem Gequietsche echt übertreibt, und den forciert böse klingen wollenden "Nevermore" (inkl. maximalem Growl-Scheitern), einfach Songs die zwar für Abwechslung sorgen, die man so aber von dieser Band nicht hören will. Das alles hat nix mehr mit Witchbounds Erstling, geschweige denn den legendären Stormwitch zu tun.

Punkten konnten bei mir der Titeltrack, das melodische "Last Divide", der angenehm atmosphärische Stampfer "Sea of Sorrow" und der nette Rocker "As Long As We Can Rock". Fetter Bonuspunkt für das folkige "Foreign Shores", womit man mich eigentlich immer kriegt. Hier war auch die Stimmung drin, die ich mir mehr auf diesem Werk erhofft hatte.

Fazit:
Weder Fisch noch Fleisch; so fühlt sich das Witchbound Zweitwerk an. Manches Riff sitzt gut, die Soli überzeugen ebenso wie die Produktion und es gibt eine Handvoll guter Nummern auf der Habenseite, aber der Rest klingt wie ein zu sehr bemühtes All Star-Projekt ohne All Stars und eben ohne die nötige Seele, die man nach dem Erstling und dem damit einhergehenden Status als Fan eben erwartet hat. Dies aber mal außen vor gelassen, wird hier ein solides, melodisches und sehr abwechslungsreiches Heavy Metal-Album geboten, das mir eigentlich nur in den erzwungen hart klingenden Passagen nicht gefiel. Eine Wertung ist sehr schwer für mich, da ich viel mit dem Ursprung verbinde. Daher bewerte ich nun einfach als Freund melodischer Metal Klänge mal so, als wüsste ich nichts über den Hintergrund. So vergebe ich für ein zum Ende hin dann doch immer besser werdendes Album gutmütige...

Punkte: 8/10

Anspieltipp: End of Paradise, Foreign Shores, As Long As We Can Rock

Tracklist

01. Prelude
02. Battle Of Kadesh
03. Interstellar Odyssey
04. End Of Paradise
05. Carved In Stone
06. Flags Of Freedom
07. Torquemada
08. Nevermore
09. Last Divide
10. Sea Of Sorrow
11. Foreign Shores
12. Dance Of the Dead
13. These Tears
14. As long As We Can Rock
15. Our Hope

Lineup

Natalie Pereira dos Santos - Vocals
Tobias Schwenk - Vocals
Julian Steiner - Guitars
Stefan Kauffmann - Guitars
Frank Bittermann - Bass
Peter Langer - Drums

Informationen